Informationen & Berichte 2022

Am Montag, dem 2. Mai, ist es so weit: Das Dülmener Begegnungszentrum „einsA“ bekommt eine neue Geschäftsleitung. Bereits Ende Januar hatten sich kirchliche und städtische Vertreter in dem entsprechenden Bewerbungsverfahren klar für Sandra Allerdisse ausgesprochen. Die verheiratete Mutter zweier Söhne lebt in Haltern am See und hat als Sozialpädagogin einschlägige Berufserfahrungen in der Erwachsenenbildung gesammelt. Zudem konnte sie hinreichende Personalmanagement-Erfahrungen sammeln, welche sie als Personalfachkauffrau in verschiedenen Unternehmen unter Beweis stellte. Zuletzt leitete sie den Sozialbegleitenden Dienst in einem Seniorenheim. „Die Verbindung meiner betriebswirtschaftlichen Kenntnisse mit denen der Sozialen Arbeit hat mich dazu motiviert, mich in Dülmen zu bewerben“, erklärt die 48jährige, die übrigens ihre familiären Wurzeln in Hiddingsel hat. Sie versteht sich als eine „motivierte Brückenbauerin“ und möchte an ihrer neuen Stelle an der Gestaltung der künftigen gesellschaftlichen Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, dem Fachkräftemangel oder der Stärkung des Ehrenamtes mitwirken. „Mich begeistert die Idee des Intergenerativen Zentrums und ich freue ich mich über ein persönliches Kennenlernen“, formuliert Sandra Allerdisse ihre Haltung. Ihr Dienst beginnt offiziell am 1. Mai, doch schon im Vorfeld wird sie immer wieder mal im „einsA“ sein, um in die künftige Arbeit hineinzuschnuppern und erste Kontakte zu knüpfen.
Sandra Allerdisse wird somit Nachfolgerin von Cäcilia Scholten, die von 2017 bis 2021 Geschäftsführerin des einsA war

Foto: Sandra Allerdisse mit Pfarrer Markus Trautmann (l.) und Bürgermeister Carsten Hövekamp (r.) zu Besuch im Dülmener „einsA“; im Hintergrund weitere Vertreter von St. Viktor und der Stadt Dülmen / Foto: Pressestelle Stadt Dülmen, Siemes

Wer war der bekannteste deutsche Jude? War es der Philosoph Karl Marx? Oder der Dichter Heinrich Heine? Oder der Physiker Albert Einstein? Schwer zu sagen – jedenfalls war einer von ihnen schon mal zu Gast in Dülmen: Heinrich Heine (1797-1856), damals noch mit dem Vornamen Harry. In diesem Jahr ist nicht nur der 225. Geburtstag Heines; sondern es ist auch 200 Jahre her, dass er 1822 in der Dülmener Poststation logierte. Das genaue Datum ist bedauerlicherweise nicht bekannt, aber eine bronzene Gedenktafel am Königsplatz erinnert bis heute an den berühmten Gast. 

Sein Leben lang war Heine viel unterwegs, am Ende starb er fern seiner Heimat im Pariser Exil. In zahlreichen Gedichten und Reisebeschreibungen beschrieb er seine Eindrücke von Land und Leuten – so auch bei verschiedenen Reisen durch Westfalen. Es dürfte übrigens an seinem westfälischen Kindermädchen gelegen haben, dass Heine seinen beißenden Sarkasmus, völlig untypisch, nicht über deren Landsleute ausgoss. „Ich habe sie immer so liebgehabt, / die lieben, guten Westfalen, / ein Volk, so fest, so sicher, so treu, / ganz ohne Gleißen und Prahlen“, so formulierte er in „Deutschland. Ein Wintermärchen“. 

Als Harry Heine geboren,  wuchs er in einer großbürgerlichen Familie auf, die dem liberalen Judentum angehörte. Religiös eigentlich völlig indifferent, sah Heine in seiner Taufe 1825 bzw. in seinem Eintritt in die evangelische Kirche „nichts als eine bloße Nützlichkeitstatsache“ und im Taufschein nur das „Entre Billet zur Europäischen Kultur“. Dennoch musste er – von nun an nicht mehr „Harry“, sondern „Heinrich“ – in den folgenden Jahren schmerzhaft feststellen, dass viele Träger dieser Kultur auch einen getauften Juden wie ihn nicht als ihresgleichen akzeptierten. Auch diese Erfahrung war wohl ursächlich für seine wütenden Ressentiments gegen bürgerliche Fassaden und spießige Angepasstheit. 

In den Jahren 1822 bis 1824 befasste sich Heine literarisch erstmals intensiv mit dem Judentum. Auf einer Reise nach Posen, die er 1822 von Berlin aus unternahm, begegnete er erstmals dem Chassidismus, einer religiös-mystischen Strömung des orthodoxen Judentums, der ihn zwar faszinierte, mit dem er sich aber nicht identifizieren konnte. Nach seiner Taufe rückten jüdische Themen im Werk Heines zwar in den Hintergrund. Sie beschäftigten ihn aber ein Leben lang und traten vor allem in seinem Spätwerk wieder verstärkt zutage, etwa in den „Hebräischen Melodien“, dem Dritten Buch des „Romanzero“.

Neue Treppen, alte Wege 

Schneeglöckchen, Narzissen, Krokusse oder Gänseblümchen. Was der Frühling an Frühblühern zu bieten hat, wird auch auf dem Platz rund um die Kirche St. Viktor zu sehen sein und die Betrachter erfreuen. Allerdings erst im nächsten Jahr. Denn auch wenn die Arbeiten auf und am Kirchplatz St. Viktor in den vergangenen Wochen tüchtig vorangeschritten sind, so gehört das Terrain immer noch den Handwerkern und nicht den Besuchern.

Aber bis zum Sommer, so hofft Hans-Willi Heeringa, stellvertretender Kirchenvorstand von St. Viktor, wird es soweit sein. Dann können die Mitglieder der Gemeinde, aber auch alle Dülmener den Platz mit Leben füllen.

Die DZ sah sich zusammen mit Pfarrdechant Markus Trautmann, Hans-Willi Heeringa sowie den Landschaftsarchitekten Thomas Köhlmos und Robert Brandt vom Büro Lohaus Carl Köhlmos auf dem Gelände um. Mit dabei war auch der Archäologe Dr. Gerard Jentgens, der auf dem Kirchplatz weitere Grabungen durchführt und das Projekt Keller Pins mitbetreut. Hier die wichtigsten Arbeiten im Überblick.

Strahlenförmige Wege. Die historischen, von der Kirche strahlenförmig abgehenden Wege über den Platz bleiben erhalten. Die alten Pflastersteine werden wieder eingesetzt und um einige neuere Steine ergänzt. Die Wege werden mit Corten-stahl-Bändern eingefasst.

Bäume und Hecken. Verschwunden sind die Hecken auf dem Platz, die den Weg zum Kirchenportal gesäumt haben. Entlang der Mauer zur Lüdinghauser Straße sind die Beete von Sträuchern befreit, es wurden entlang der Mauer neue Hecken gepflanzt. Auf dem Kirchplatz wird es jetzt viel Rasenfläche geben. Neue Bäume werden gesetzt. Der alte Baumbestand ist weitestgehend erhalten geblieben.

Alte Lateinschule. Die Fundamente der alten Lateinschule neben dem Haupteingang sind durch große graue Eckquader markiert. Diese haben nicht nur gestalterische Funktion, sondern können auch als Sitzgelegenheit genutzt werden.

Niedrigseilgarten. Mit dem Niedrigseilgarten, der im Dreieck hinter dem Löwendenkmal und dem Weg zur alten Scharre angelegt wird (derzeit wird der Platz noch für Baumaterialien genutzt), wird der Kirchplatz künftig auch zum Spielen einladen. Die Fundamentlöcher sind bereits vorhanden.

Mauer. Die Kirchplatzmauer an der Lüdinghauser Straße ist in Richtung Münsterstraße verlängert worden. Ein barrierefreier Zugang zum Platz wurde gelegt.

Podest. Angelegt ist bereits das Podest, auf dem die Pietà aufgestellt wird. Sie befand sich früher am Pfarrhaus und ist seit dessen Abriss 2015 in Billerbeck eingelagert. Das Podest wird später vollständig durch die Statue abgedeckt.

Treppenanlage. Die Treppenanlage im hinteren Teil des Kirchplatzes ist bereits erkennbar. Ein Corten-stahl-Zaun begrenzt die Kita-Außenanlagen. Zwischen Anlage und Zaun wird ein Baum gepflanzt und mit Rundbank versehen.

Keller Pins. Die ersten Aufträge für die Betonarbeiten sind vergeben

 

Der Dornröschenschlaf ist vorbei 

Es soll eine grüne Oase mitten in der Stadt sein, die zum Ausruhen, mit dem Niedrigseilgarten aber auch zum Spielen einlädt. Mit der Umgestaltung wird der Kirchplatz St. Viktor einen neuen Charakter annehmen. Vorher war es ein stiller Ort im Dornröschenschlaf, so die Charakterisierung durch Pfarrer Markus Trautmann. Doch nun, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Haus für alle, dem einsA, habe sich sein Auftrag geändert, betont er. Der Platz solle offener und lichter werden. Deshalb wurden Hecken entfernt, stattdessen Rasenflächen angelegt. „Der Platz bleibt aber das grüne Herz der Stadt“, betont Landschaftsarchitekt Thomas Köhlmos.

„Der neu gestaltete Platz trägt zur Belebung der Innenstadt bei“, ist Hans-Willi Heeringa vom Kirchenvorstand St. Viktor überzeugt.

Nicht ohne Stolz bemerkt Pfarrer Trautmann, dass auf der vergleichsweise kleinen Fläche mehrfach Erinnerungen an das alte Dülmen wachgehalten werden. So markieren Steinblöcke die Begrenzungen der alten Lateinschule. Das Bodenfenster Keller Pins soll daran erinnern, dass neben der Kirche einst die jüdische Familie Pins lebte. Die Kellerfundamente sollen durch eine besondere Gitterabdeckung zu sehen sein, zudem ist eine Beleuchtung vorgesehen. Ein weiterer Ort des Gedenkens könnte im hinteren Teil an der Lüdinghauser Straße liegen. Denn dort wurden in einem Grab die Gebeine jener Dülmener bestattet, die bei den jüngsten archäologischen Grabungen gefunden wurden. Ob auf die Gedenkorte mit aufgestellten Tafeln oder Bodenintarsien hingewiesen wird, werde noch überlegt. Die Zeit dränge nicht, sind sich Trautmann und Heeringa einig. Denn zunächst gehe es darum, dass die Dülmener den neu gestalteten Platz entdecken und erobern.

 

Bericht und Fotos der Dülmener Zeitung, Claudia Marcy

DZ Icon 

Innere Kraft ist stärker als die äußere Aufgeregtheit.


Anlässlich des Emmerick-Gedenktages feierte Bischof Dr. Felix Genn am Vorabend zum 9. Februar die heilige Messe in der Heilig-Kreuz-Kirche in Dülmen. 

In seiner Predigt führte Bischof Felix drei Punkte an, die uns das Glaubenszeugnis der Anna Katharina Emmerick aufzeigen.

Zunächst berichtete der Bischof, wie er selbst einen Zugang zu Anna Katharina Emmerick gefunden hat. Bevor er Bischof von Münster wurde, habe er als Bischof von Essen die alte Grabkapelle in Dülmen besucht. Damals, so gab der Bischof zu, konnte er mit der Person Emmerick nichts anfangen. Als Bischof von Münster begegnet er aber fast täglich Personen, die Reliquien und Andenken von Anna Katharina Emmerick erbeten. So hat er sich intensiver mit ihr befasst und sich gefragt, was von der Gestalt der Emmerick ausgehe. Es sei das Lebenszeugnis, welches den Bischof berühre, aber auch ihre Verbindung zu dem Arzt Dr. Franz Wilhelm Wesener, der sich als intellektueller und aufgeklärter Mediziner nach der Begegnung mit Anna Katharina bekehrte.
Es komme offensichtlich auf das Zeugnis an, für das Einzelne einstehen. Es brauche Menschen, die Gesicht zeigen, bei allem Chaos und „Drunter und Drüber“, die bekennen, dass sie berührt sind von der Gestalt des Jesus von Nazareth und sich in der Verbundenheit und Gemeinschaft der Kirche wissen, der auch Anna Katharina Emmerick angehörte, so resümierte der Bischof.

Im zweiten Punkt nahm der Bischof Bezug auf das vorher gehörte Evangelium. Auch Anna Katharina spürte eine innere Anziehung, die sie von Jesus nicht losließ. Sie war von Jesus so angesprochen, dass ihr Leben tief von ihm geprägt war und sich bis ins leibliche der Wunden zeigte. Dieses Zeugnis dieser einfachen Frau habe sich auf viele Menschen positiv ausgewirkt, die bei ihr Hilfe und Trost gesucht und gefunden hätten, und wie es das Beispiel von Dr. Wesener gezeigt habe, auch „umgekrempelt“ wurden.

Zum Schluss stellte der Bischof fest, dass wir zwar keine leiblichen Wunden tragen, aber das Christsein manchmal dennoch als schwer empfunden würde, besonders in diesen Tagen. Hier gibt der Bischof den Mitchristen ein Hoffnungswort aus der Lesung mit auf den Weg: „Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns im maßlosen Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit!“ Diese innere Kraft sei stärker als die äußere Aufgeregtheit dieser Tage, so der Bischof weiter.

Der Kirchenvorstand von St. Viktor freut sich: Am Montag, dem 7. Februar 2022, konnte endlich mit der Baufirma Menke aus Billerbeck die Auftragsvereinbarung unterzeichnet werden, durch die bald die Tiefbauarbeiten am archäologischen Bodenfenster „Keller Pins“ im Dülmener einsA-Quartier aufgenommen werden. Pfarrer Markus Trautmann und die Kirchenvorstandsmitglieder Christiane Daldrup und Peter Briewig unterzeichneten das entsprechende Dokument. „Indem der ursprünglich rechteckige Grundriss des Bodenfensters zu einem Dreiecksgrundriss umgeplant wurde“, berichtet Christiane Daldrup, „konnten die Tiefbaukosten erheblich reduziert werden.“ Peter Briewig ergänzt: „Auf dem dreieckigen Grundriss wird sich demnächst eine dreischenklige Glaspyramide erheben.“ Direkt am Fußweg entlang der Viktorkirche gelegen, sei dies „der ultimative Hingucker“, findet Markus Trautmann, „zumal wenn nachts aus dem Kellergeschoss Licht aufstrahlt.“

Foto: Christian Rensing

Logo Menke baut

Schalom Ben-Chorin und Anna Katharina Emmerick

Interessante Sicht auf das Alte Testament.

In dieser Woche begehen wir den jährlichen Gedenktag der seligen Anna Katharina Emmerick. Im aktuellen Gedenkjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ist es einmal angebracht, auch die Dülmener Selige aus eben dieser Perspektive zu betrachten.

Die neutestamentlichen Visionen der „Mystikerin des Münsterlandes“ zum Leben Jesu und seiner Mutter fanden bald nach dem Tod der Emmerick eine weite Verbreitung; die drei entsprechenden Bände sind bis heute den Emmerick-Verehrern ein Begriff. Dagegen blieben ihre alttestamentlichen Visionen lange Zeit ungedruckt und wurden erstmals 1881 unter dem Titel „Die Geheimnisse des Alten Bundes“ veröffentlicht. Diese von Brentano aufgezeichneten Berichte widmen sich der Schöpfungsgeschichte, dem Sündenfall und dem Leben der Patriarchen – bewegen sich also im Rahmen des biblischen Buches Genesis. Wie das Buch Genesis, so enden auch die alttestamentlichen Emmerick-Visionen bei Josef in Ägypten, wohin es den jüngsten Sohn des Jakob bekanntlich verschlagen hatte. In Ägypten heiratete Josef die Nichtjüdin Asenat, die Tochter eines ägyptischen Priesters (Gen 41,45): Von ihr werden die Söhne Ephraim und Manasse geboren, die Generationen später, nach dem „Exodus“ und der Heimkehr ins Gelobte Land, als Stammväter von zwei der zwölf Stämme Israels betrachtet und geehrt werden.

Und genau hier entstand für die „Rabbinen“, also die jüdischen Gelehrten der nachbiblischen Zeit, ein skandalöses Problem: Bis heute gilt man nur dann als jüdisch, wenn man von einer jüdischen Mutter geboren wurde. In dieser strengen Lesart wären laut Auskunft des Buches Genesis bzw. aus Sicht der rabbinischen Schriftauslegung, der Halacha, die beiden Stämme Ephraim und Manasse illegitim gewesen! Ein eigener halachischer Midrasch (Auslegungsspruch) der Rabbinen legte im 2. Jahrhundert n.Chr. fest, das Asenat – also die Gattin Josefs und Mutter Ephraims und Manasses – in Wirklichkeit keine ägyptische Priestertochter war, sondern Frucht einer Vergewaltigung, die an Dina, einer Tochter des Jakob, begangen worden war. Jakob habe Asenat als Enkelin und damit zur Sippe gehörig anerkannt. Indem also Josef seine Nichte ehelichte, wurden Ephraim und Manasse Urenkel Jakobs mütterlicherseits.

Kein geringerer als der renommierte deutsch-israelische Religionswissenschaftler Schalom Ben-Chorin (1913-1999) publizierte 1974 eine verblüffende Entdeckung: „Es ist nun überaus merkwürdig, dass die Visionen der Anna Katharina Emmerick und der halachische Midrasch im wesentlichen voll übereinstimmen. Anna Katharina Emmerick teilt ebenfalls mit, dass Asenat die Enkelin des Patriarchen Jakob war, dass Josef seine Nichte geheiratet hat und dass diese durch ein Amulett ihres Großvaters Jakob als sippenzugehörig gekennzeichnet war.“ Für Ben-Chorin ist es ganz ausgeschlossen, dass die Dülmener Mystikerin oder ihr Schreiber Brentano die Übereinstimmungen der Emmerick-Visionen mit einem antiken rabbinischen Midrasch auch nur ahnen konnten. Überhaupt sei es nicht denkbar, „dass die stigmatisierte Nonne und ihr romantischer Sekretär die rabbinischen Traditionen kannten, die selbst den meisten Juden unbekannt sind, da es sich hier um keineswegs verbindlichen Randtraditionen handelt.“ Auch irgendwelche patristische, also altkirchliche christliche Schriften, in denen Brentano möglicherweise irgendwelche einschlägigen Hinweise entdeckt haben könnte, sind nicht bekannt. Für Ben-Chorin bleibt „das frappierende Phänomen einer Übereinstimmung“ der Vision der Anna Katharina Emmerick mit einer Midrasch-Exegese des rabbinischen Judentums zu einer Episode im Buch Genesis, die sich mit der Zwölfstämme-Tradition des Volkes Israel auseinandersetzt. 

Die Literaturwissenschaftlerin Martina Vordermayer relativierte 1997 das Erstaunen des Schalom Ben-Chorin über „Die Geheimnisse des Alten Bundes“ und verwies auf „Das Leben der hl. Jungfrau Maria“: Tatsächlich hat Brentano diesen Band (im Unterschied zu allen anderen Bänden mit Emmerick-Visionen) mit einem umfangreichen Fußnotenapparat ausgestattet, der zahlreiche Hintergrundinformationen aus der historischen und spirituellen Welt des Judentums bereithält. „Brentano nimmt hier mit Hilfe des Orientalisten Hanenberg, dem ‚Sprachkundigen‘, immer wieder Bezug auf die jüdische Tradition. Konsultiert und teilweise zitiert wird der Talmud, hier speziell die Mischna und das Sota-Traktat, auch die Überlieferung der Kabbala wird herangezogen.“ In diesem Sinne habe „Das Leben der hl. Jungfrau Maria“ von einer „positiven Adaption jüdischer Gesetzestexte, Traktate und Mystik“ profitiert. Ferner ergebe ein Blick in den Versteigerungskatalog bei der Auflösung von Brentanos Bibliothek 1819, dass dieser verschiedene kulturgeschichtliche und mystische Schriften über das Judentum, exegetische Werke, Reisebeschreibungen aus dem Heiligen Land, hebräische Bibelausgaben sowie hebräische Grammatiken und Wörterbücher besessen habe.

Literatur: Schalom Ben-Chorin: Eine alttestamentliche Vision der Anna Katharina Emmerick, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, Bd. 26, 1974, S. 334-345 // Martina Vordermayer: Antisemitismus und Judentum bei Clemens Brentano, in: Forschungen zum Junghegelianismus Bd. 4, Frankfurt u. Wien 1999, S. 155f u. S. 167f. 

Abbildung Anna Katharina Emmerick: By Gabriel von Max - Own work, Yelkrokoyade, 16 July 2015, 10:43:27, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45319933
Abbildung: Schalom Ben-Chorin: Von Harald Bischoff - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31486641

In der Dülmener Innenstadt sowie in Rorup liegen an elf Stellen insgesamt 40 "Stolpersteine", die an das Schicksal jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern. Sie wurden entweder ermordet, in die Emigration oder in den Suizid getrieben. In dem Video gedenken wir der jüdischen Mitbürger und MItbürgerinnen in Dülmen, die dem Nazi-Regime zum Opfer gefallen sind.

Theresa Hölscher aus unserer Gemeinde St. Mauritius in Hausdülmen absolviert seit Mitte September 2021 ein freiwilliges soziales Jahr in Jasikan / Ghana. Dort engagiert sie sich besonders für benachteiligte Schülerinnen und Schüler.

In der WDR-Lokalzeit berichtet sie über ihre Arbeit in der Schule in Nsuta. Mit welchen Schwierigkeiten der Freiwilligendienst des Bistums in Zeiten der Pandemie zu kämpfen hat, beschreibt auch Kirche+Leben.

Seit einigen Jahren ist Theresa bereits im Eine-Welt-Kreis der Gemeinde aktiv.

 

Am 17. Januar feiern wir das Fest des hl. Antonius, dem Merfelder Kirchenpatron. Dieser zog im 3. Jahrhundert auf radikale Weise aus der Lektüre des Evangeliums den Schluss, sein Vermögen aufzugeben und den Rückzug in die Wüste zu suchen. 

Im Gottesdienst, der anlässlich des Gedenktages in der Antoniuskirche gefeiert wurde, nimmt Pfarrdechant Markus Trautmann in seiner Predigt >>> den Heiligen in den Blick.

Die Sternsingerinnen und Sternsinger der Pfarrei St. Viktor haben für die Gesundheitsversorgung von Kindern in Afrika 22.628,75 € gesammelt. Wir danken allen Sternsingerinnen und Sternsingern, den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, den Begleiterinnen und Begleitern und natürlich auch den Spenderinnen und Spendern von Herzen für die Unterstürzung.
In allen Kirchen der Pfarrei St. Viktor liegen Segensaufkleber und Infos zur Spendenaktion und zum Spendenkonto aus und ein Opferstock als Spendenbox steht bereit. Über den gesamten Januar können direkt Spenden für die Aktion dort eingeworfen und Segenswünsche besonders auch zur Weitergabe an kranke und ältere Angehörige mitgenommen werden.

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