Informationen & Berichte 2022

Türenausstellung

Spurensuche zum jüdischen Leben in der Viktorkirche 

Auf ungewöhnliche Eindrücke werden in den kommenden Wochen die Gäste der Dülmener Viktorkirche stoßen: Seit dem 5. Mai gastiert in dem weiträumigen Kirchenraum die von der Westfälischen Wilhelmsuniversität (WWU) Münster konzipierte Wanderausstellung „Spurensuche_n: Jüdisches Leben im Münsterland“.

Die der Universität zugeordnete „Arbeitsstelle Forschungstransfer“ war bereits 2019 mit einem Kreativangebot an Schulen und Vereine im Münsterland herangetreten, um für die kreative Gestaltung alter Türen zu werben.

Die Türen thematisieren auf dem vorderen Türblatt historische Bezüge, auf der Rückseite heutige Erinnerungen an jüdisches Leben in insgesamt 14 Ortschaften. „Die Ausstellung möge wie ein ‚Türöffner‘ neue Einblicke gewähren in das jüdische Leben im Münsterland, besonders hier in Dülmen“, betonte Dr. Andrea Peine, Lehrerin an der Hermann-Leeser-Schule, die am 5. Mai die Eröffnungsveranstaltung moderierte.

Anwesend waren, neben zahlreichen Interessierten, Jugendliche aus Dülmener Schulen sowie Vertreter und Vertreterinnen unterschiedlicher Dülmener Gedenkinitiativen.

Zu den Gästen der Ausstellungseröffnung gehörte auch Stefan Ast, Geschäftsführer der NRW-Stiftung aus Düsseldorf. Er überreichte dem Vorsitzenden des Dülmener Heimatsvereins, Erik Potthoff, eine Förderurkunde über 20.000 Euro. Die Mittel sind für die neuen Publikationen über jüdisches Leben in Dülmen und den Gedenkort am Keller Pins neben der St. Viktorkirche bestimmt. „Das ehrenamtliche Engagement für die Spurensuche und Vermittlung der jüdischen Geschichte in Dülmen ist enorm. Die Zusammenarbeit des Heimatvereins mit den Dülmener Schulen zielt auf eine lebendige und sehr anschauliche Geschichtsvermittlung. Das hat uns in der Stiftung sofort für die Förderung überzeugt“, zeigt sich Stefan Ast beeindruckt. 

Der Vorsitzende des Dülmener Heimatvereins Erik Potthoff skizzierte die langjährigen Initiativen und Projekte der Erinnerung an jüdisches Leben in Dülmen, deren Anfänge sich bereits bis in das Jahr 1978 zurückverfolgen lassen.

Den Zusammenhang einer lebendigen Erinnerungskultur mit den Herausforderungen einer heutigen toleranten Gesellschaft betonte Bürgermeister Carsten Hövekamp.

Die Mitarbeiterin der betreffenden Uni-Arbeitsstelle Nina Nolte erläuterte, wie aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie ganz neue Wege einer digitalisierten Ausstellungspräsentation beschritten wurden.

In einem Impulsreferat vertiefte Pfarrdechant Markus Trautmann die Türensymbolik, in dem er an den Dülmener Heimatforscher Heinz Brathe erinnerte, der immer wieder die verschlossene Haustür seines Elternhauses in der Pogromnacht 1938 thematisiert hatte.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Kirchenmusiker Christoph Falley, der durch Orgel-, Klarinetten- und Saxophonspiel Stücke jüdischer Komponisten vortrug.

 

Foto: Der Geschäftsführer der NRW-Stiftung Stefan Ast überreicht dem Vorsitzenden des Dülmener Heimatvereins Erik Potthoff die Förderurkunde.

Gruppe

Eine Gruppe von rd. 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Pfarrei St. Viktor traf sich am Mittwochvormittag, 27. April, mit Weihbischof Dr. Stefan Zekorn im Dülmener Begegnungszentrum „einsA“ zum gemeinsamen Austausch. „Was stärkt mich in meinem Dienst?“ oder „Was belastet uns als Gläubige in heutiger Zeit?“ waren einige der Fragen, mit denen sich Küsterinnen und Kirchenmusiker, Pfarrsekretärinnen und Verwaltungsmitarbeiter, Kita- und Seelsorgepersonal befassten. Weihbischof Zekorn berichtete vom „Synodalen Weg“ und gab einige spirituelle, z.T. sehr persönliche Impulse. „Die kommenden Jahre werden für Sie alles andere als einfach werden“, meinte Zekorn mit Blick auf die gesellschaftliche und kirchliche Gesamtsituation. Umso wichtiger sei es für die immer kleiner werdende Zahl von Christen und insbesondere kirchliche Mitarbeiter, „Oasen des Glaubens“ zu suchen und sich immer wieder bewusst zu fragen, „was meinen Glauben stärkt – gerade angesichts einer zunehmenden Hinterfragung der Kirche in der Öffentlichkeit oder im eigenen Umfeld.“ 

Das Bild zeigt einen Teil der Veranstaltungsteilnehmer in der Mittagspause. (Foto: Barbara Kockmann)

KvG

Andachten und Aktionen an der Kardinal-von-Galen-Schule.

Die Kardinal-von-Galen-Hauptschule bekundet Solidarität mit der Ukraine. Seit dem 8. März finden wöchentlich in der benachbarten St.-Joseph-Kirche Andachten statt, in denen Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge ihre Anteilnahme bekunden.
Neben der Thematisierung im Unterricht sieht es die Schule als Aufgabe an, den Kindern und Jugendlichen Raum für die Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation in der Ukraine zu geben, so eine Mitteilung. Dazu organisieren jede Woche Lehrkräfte in Zusammenarbeit mit Pfarrer Markus Trautmann die Andachten, in denen die Schülerinnen und Schüler mitwirken. „Eindrucksvolle Erlebnisberichte geflüchteter Schülerinnen aus Syrien, selbst geschriebene Friedensgedichte oder Traumreisen stimmen in die Andacht ein, bevor besinnliche Mitmachaktionen die Teilnehmenden einladen, ihre Verbundenheit zu den Menschen insbesondere zu den Kindern und Jugendlichen in der Ukraine auszudrücken“, heißt es in einer Mitteilung.
„Hoffnungskärtchen mit guten Gedanken entstehen, Friedenssymbole auf der ukrainischen Flagge werden mit Unterschriften als Zeichen der Solidarität versehen und Friedenstauben bekommen Federn, um Frieden in die Ukraine zu bringen.“ In Kurzlesungen von Pfarrer Markus Trautmann erfahren die Schülerinnen und Schüler, dass Frieden nicht selbstverständlich ist. Auch werden sie für einen achtungsvollen Umgang mit dem Thema Krieg sensibilisiert. Musikalisch begleitet von Kirchenmusiker Christoph Falley endet jede Andacht ritualisiert mit dem Lied „We shall overcome“.
„So ist inzwischen ein Friedenspodest entstanden, das allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gibt, täglich der Situation in der Ukraine zu gedenken.“ Sechs Schüler aus der Ukraine hat die Kardinal-von-Galen Schule bereits aufgenommen, weitere Anmeldungen werden nach den Osterferien folgen. Die Ausstellung im Forum der Schule ist somit auch ein Willkommensgruß für alle neuen Schülerinnen und Schüler und für ihre Familien.

 

Bericht und Foto der Dülmener Zeitung

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Gedanken zu den Texten der Osterliturgie.

Die Osterprozession durch die frühmorgendliche Innenstadt gehört zu Dülmen. Wenn der Bürgermeister das Kreuz in Empfang nimmt, sagt er nach alter Sitte: „Der Väter und Mütter Brauch sei mir heilig.“ Die diesjährige Osterpredigt >>> in St. Viktor geht darauf ein. 

Gedanken zum Karfreitag. 

„Das Interesse an spektakulären Ermittlungsverfahren und Enthüllungen und Gerichtsprozessen ist zu allen Zeiten und in allen möglichen Varianten ungebrochen“, findet Pfarrer Markus Trautmann. In der diesjährigen Karfreitagspredigt >>> bildet das tragische Schicksal des Dülmener Juden Louis Pins den Einstieg in die Betrachtung der Passion Jesu. Pins, der mit seiner Familie nur wenige Schritte von St. Viktor entfernt wohnte, wurde 1939 verhaftet und als „einer der berüchtigten jüdischen Viehhändler und Bauernverderber“ diffamiert.

Foto: Erik Potthoff

Das Geschenk der Eucharistie. 

Paulus macht sich Sorgen – um seine Gemeinde in Korinth. Die frühen Christen scheinen vergessen zu haben, welch wunderbares Geschenk ihnen der Herr im Letzten Abendmahl anvertraut hat. Die Predigt >>> im Gottesdienst vom Letzen Abendmahl in St. Viktor, verbunden im einer Erstkommunionfeier, geht darauf ein. 

Foto: Christian Rensing

Papierflieger

Wird Keller Pins Planschbecken? 

Ein verstörender Appell erreichte die am Bau von „Keller Pins“ beteiligten Handwerker – aus der Luft. Wie erst jetzt bekannt wurde, konnten Anfang April zwei Papierschwalben oberhalb der Baugrube abgefangen werden, die eine eindeutige Botschaft mitbrachten: „Liebe Bauarbeiter, könnt ihr uns ein großes Planschbecken im Kindergarten bauen?“ Dr. Gerard Jentgens, der die Arbeiten koordiniert, hat die Papierflieger, die offenbar unbemerkt den Bauzaun überwunden hatten, in Verwahrung genommen. Ein Papierflieger, so die Auskunft von Experten, besitze keinen eigenen Antrieb und werde im Regelfall durch Werfen gestartet. – Grundsätzlich, so der einhellige Tenor des Planungsstabes, sei in der heutigen Erinnerungskultur ein umfassendes Beteiligungsverfahren innerhalb der Bürgerschaft, zumal bei den Nachbarn, zu begrüßen. Zunächst werde aber geprüft, ob mit dem kindlichen Ansinnen überhaupt der Keller Pins gemeint sei oder aber ein ganz neues Projekt angestoßen werden soll. „Wir werden vermutlich große Räder drehen müssen, um bestimmte Spenden- und Fördergelder jetzt noch umzuwidmen“, heißt es aus gut unterrichteten Kreisen.

Fotos: C. Knabe

Kreuz Karthaus

Barock-Kreuz kehrt nach der Restaurierung zurück auf die Karthaus.

Das Kreuz mit dem Elfenbein-Corpus kennt Markus Bagert gut. Aus seiner Kindheit, als Messdiener in St. Jakobus. „Bei jeder Prozession und Beerdigung war es mit dabei“, erinnert sich der 58-Jährige. Auch er selbst habe es etliche Male getragen. Da passt es, dass es Bagert ist, der das Kreuz jetzt an seinen neuen, seinen endgültigen Platz stellt. Denn nach jahrelanger Abwesenheit ist es nun zurückgekehrt auf die Karthaus. Doch anstatt bei Wind und Wetter herumgetragen zu werden, steht es nun in einer verschlossenen Vitrine in der Sakristei von St. Jakobus. Einen ersten Blick darauf konnten am Sonntagabend bereits die Besucher des Passionskonzertes werfen.

Die Geschichte des Kreuzes beginnt im Barock, vermutlich irgendwann zwischen 1600 und 1700. Gefertigt sein könnte der Corpus in Italien, vermutet Pfarrdechant Markus Trautmann. „Stilistisch hat er eine Nähe zum Manierismus, einer kurzen Phase zwischen Renaissance und Barock, in der das Ideal des ‚Natürlichen‘ von der ‚Anmut‘ überlagert wurde.“ Überlange Gliedmaßen, verdrehte Körperhaltung, filigrane kleinste Details wie Haarlocken oder Zehnägel seien dafür typisch gewesen. Genau solche Feinheiten weist auch der gut 40 Zentimeter große Jesus aus Elfenbein auf. Sogar seine Zähne, Handfalten oder Fingernägel sind mühelos zu erkennen. „Und das aus einem Werkstoff, der härter ist als Holz“, bewundert Trautmann die Arbeit. „Solche Qualität ist beispiellos in der Region.“ Bemerkenswert sei auch die Darstellung Jesu, die bereits Bezug nehme zu seiner Auferstehung: Der Blick gehe Richtung Himmel, Dornenkrone und Seitenwunde fehlen.

Wie das Kunstwerk seinen Weg auf die Karthaus fand? „Vermutlich kam das Kreuz im 19. Jahrhundert nach Weddern und ist eine Schenkung der Familie von Croy“, berichtet der Pfarrer. Aus dem 19. Jahrhundert stamme wohl auch das hölzerne Vortragekreuz, an dem der Corpus befestigt wurde - so hat es Bagert noch aus seiner Messdiener-Zeit in Erinnerung. Aber: „Die Restauratorin hat keine Zweifel, dass es früher ein Standkreuz war“, betont Trautmann.

Und genau ein solches ist es jetzt auch wieder geworden. Schon seit Jahren gab es Überlegungen der Gemeinde, den Corpus zu restaurieren. Finanzielle Unterstützung kam von der Sparkasse Westmünsterland, die gleich zweimal für das Vorhaben Geld überwies. 2015/16 kam das Kunstwerk dann in eine Kölner Werkstatt. Die Experten reinigten die Figur, tauschten Stifte aus und ergänzten etwa einen abgebrochenen Finger und Zeh. Auch wurde aus dem Vortrage- wieder ein Standkreuz: Den Corpus befestigte die Restauratorin auf einem Kreuz aus schlichtem, schwarz gebeizten Lindenholz - ein eindrucksvoller Kontrast zur fein geschnitzten Elfenbein-Figur mit seiner zarten Maserung. „Durch den Standsockel ist es auf jeden Fall viel schwerer als früher“, stellt Markus Bagert dann auch gleich fest, als er das Kunstwerk zur Vitrine trug.

Die wurde vom Tischler extra in die neuen Sakristeischränke eingebaut. Denn die Umgestaltung der Sakristei von St. Jakobus sowie die Corona-Pandemie waren die Gründe, warum sich die Rückkehr des Kreuzes weiter verzögerte. Rechtzeitig zur Karwoche hat es jetzt aber geklappt. „Es soll jetzt erst einmal nicht mehr raus aus der Vitrine, und zwar aus Sicherheitsgründen“, erläutert Trautmann. „So ist es präsent und soll auch präsentiert werden“, fasst es Bagert zufrieden zusammen.

 

Bericht und Fotos der Dülmener Zeitung, Kristina Kerstan

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Markus Becker, Klaus Göckener und Michael Kamper von der Ukraine-Hilfe freuten sich sehr über die Geldspende von 1.000 Euro, die der Chor Cantiamo ihnen am Mittwochabend überreichte. Obwohl während der Pandemie keine Chorproben stattfinden konnten, haben die rund 50 Mitglieder weiter ihre Beiträge bezahlt. „Im Vorstand war man sich schnell einig, dass von diesem so entstandenen finanziellen Polster Geld an die Ukraine-Hilfe gespendet werden soll“, berichtete Brunhilde Helmer, die im Vorstand des Chores mitwirkt. Markus Becker zählte auf, wofür die Spende eingesetzt wird. „Wir brauchen das Geld für Medikamente, Lebensmittel und auch für Sprit für die Hilfstouren“. 

Foto: Vertreterinnen und Vertreter von Cantiamo überreichen den Scheck an Klaus Göckener, Michael Kamper und Markus Becker

Heute, am 22. März, ist der Gedenktag von Clemens August von Galen. Er hat auch unserer Zeit einiges zu sagen – etwa da, wo uns Bilder und Eindrücke vom Kriegsgeschehen in der Ukraine sprachlos machen. So mahnte der Selige in einer Predigt in Telgte am 4. Juli 1943 eindringlich: „Gewiss, meine Christen, die Flugzeuge fliegen, gesteuert von Menschen, auf Befehl der Machthaber der kriegsführenden Länder; von Menschen werden die Spreng- und Brandbomben abgeworfen, so dass sie Tod und Verderben über friedliche Städte säen. Furchtbare Verantwortung derer, die den Bombenkrieg begonnen haben und mit immer wirksameren Mitteln fortsetzen! – Und doch: Ich muss das einmal öffentlich aussprechen: die Hass- und Vergeltungsrufe, von denen die deutsche Presse widerhallt, kann und will ich mir nicht, dürft auch ihr euch nicht zu eigen machen! Soll es wirklich der Wunsch und der Wille des deutschen Volkes sein, dass wir Rache nehmen wollen für das Leid, das uns trifft? Dass wir vor allem anderen danach verlangen, dass auch unsererseits in England und den sonstigen Feindländern Kirchen und Spitäler zerstört, Kinder und Frauen, die nichts mit dem Krieg zu tun haben, umgebracht werden? Ist das wirklich ein Trost für eine Mutter, deren Kind einem Bombenangriff zum Opfer fiel, wenn man ihr versichert: demnächst werden wir auch einer englischen Mutter ihr Kind töten? Nein, solche Ankündigung von Rache und Vergeltung ist wahrlich kein Trost! Sie ist unchristlich, sie ist überdies undeutsch, weil unwürdig, weil unedel, weil unritterlich! … Meine Christen, ich muss das einmal öffentlich aussprechen, weil die Absage an Rache und Hass das Gebot Christi ist, das ich zu verkünden habe. Ich muss es einmal aussprechen, um mich und euch abzusetzen von jenen, die da behaupten, das ganze deutsche Volk, besonders hier im Westen, verlange entsprechend dem Satz: ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘, nach Vergeltung der Bombenangriffe durch die kriegsunnötige Tötung von Nichtkämpfern, von Frauen und Kindern im Feindesland. Solche Gesinnung müssten wir ablehnen, als Christen und als Deutsche!“

Demnächst

Ausstellung mit Begleitprogramm
05 Mai 2022
00:00 Uhr
Emmerick-Vortrag
24 Mai 2022
19:30 Uhr
Ökumenisches Marktgebet
27 Mai 2022
11:00 Uhr
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