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3 600 Euro Belohnung für Tathinweise

Bericht vom 4. Januar 2017 der Streiflichter, Raimund Menninghaus

 

Gruppenfoto Zwischen dem 23. Oktober und 26. November des vergangenen Jahres haben bislang unbekannte Täter an insgesamt 48 Stellen in den Stadt- und Ortsbereichen Dülmen, Coesfeld und Seppenrade verschiedenste sakrale Skulpturen wie Kreuze, Christusdarstellungen und Heiligenfiguren beschädigt. Mal wurden Nasen, mal Köpfe von Skulpturen abgeschlagen – in Welte wurde der Metallcorpus vom Kreuz am Ehrenmal abgerissen und demoliert 400 Meter weiter in den Graben geworfen.

 

Es handelte sich dabei nicht nur um sakrale Gegenstände, die Kirchengemeinden hatten aufstellen lassen, sondern auch solche, die Privatpersonen teilweise aus ganz individuellen Beweggründen heraus hatten herstellen lassen – mithin Zeugnisse von Familiengeschichten und -schicksalen.

Auf Initiative des Vereins „Die Karthäuser“ haben die meisten der Dülmener Schützenvereine, die Kirchengemeinden St. Viktor, Heilig Kreuz und St. Georg Hiddingsel sowie St. Johannes Lette, die Heilig-Geist-Stiftung und das Clara-Stift Seppenrade, der Heimatverein Dülmen und der Heimatverein Rorup gemeinsam insgesamt 3 600 Euro Belohnung ausgesetzt für Hinweise, die zur Ergreifung des beziehungsweise der Täter führen.

 

Am Mittwoch kamen zahlreiche Vereins-, Gemeinde- und Stiftungsvertreter am Kolpinghaus zusammen, um zusammen mit der Polizei diese Initiative vorzustellen – und das entsprechende Informationsplakat, das nun bei der Polizei und an verschiedenen weiteren Stellen auf die Initiative hinweist. „Was können wir als Karthäuser tun? Hat das Aussetzen einer Belohnung zur Ergreifung der Täter Sinn?“ Diese Fragen, so schilderte Karthäuser-Vorsitzender Markus Bagert, hätten bei der Generalversammlung des Vereins Ende November im Raum gestanden.

Bagert nahm danach Kontakt mit dem Staatsschutz der Polizei in Münster auf, die zur Aufklärung der Tatserie eine fünfköpfige Ermittlungsgruppe gebildet hat. Dort wurde signalisiert, dass eine Belohnung die Chancen auf Ergreifung der Täter durchaus erhöhe.

 

Markus Bagert sprach daraufhin mit den Dülmener Schützenvereinen und stieß bei den allermeisten auf Unterstützung. Auch die Kirchenvorstandsvertreter der Kirchengemeinden und der Heilig-Geist-Stiftung und des Clara-Stifts waren angetan von der Initiative. Während die Vereine jeweils zwischen 100 und 200 Euro besteuerten, beteiligten sich die Gemeinden und Stiftungen in größerem Umfang. 

Derzeit, so schilderte Mirko Stein, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Münster, wo die Abteilung Staatsschutz angesiedelt ist, gebe es zwei bis drei Hinweise aus der Bevölkerung, denen auch nachgegangen werde beziehungsweise nachgegangen worden sei. Zu konkreten Ermittlungserfolgen habe dies bis dato jedoch nicht geführt. Und die Ergebnisse der umfangreichen Spurensicherungen, die an den Tatstellen vorgenommen wurden, stehen derzeit auch noch im Raum. „Es passten bislang allerdings keine DNA-Spuren mit DNA-Merkmalen von Personen, die wir in unseren Karteien haben, überein“, sagte ein Mitarbeiter des Staatsschutzes am Mittwoch.

Nun besteht die Hoffnung, dass Personen weitere Beobachtungen, die sie an Tatorten gemacht haben, der Polizei mitteilen – etwa, wenn sonst nicht übliche Fahrzeuge an den Wegekreuzen beziehungsweise anderen Tatorten gesichtet wurden. „Der oder die Täter sind höchstwahrscheinlich mobil – und sind dann mit einem Auto oder Motorrad vor Ort gewesen“, so Polizeipressesprecher Mirko Stein.

Auch Beobachtungen, die vielleicht auf den ersten Anschein hin als nicht wichtig erachtet werden, könnten bei der Täterermittlung von Bedeutung sein.

Der Gesamtschaden, der bei der umfangreichen Tatserie entstanden ist, beläuft sich nach groben Schätzungen eines Restaurators auf zwischen 90 000 und 95 000 Euro, berechnet man beispielsweise auch die nötigen Einrüstungsarbeiten an Skulpturen mit ein, erläuterte am Mittwoch ein Mitarbeiter des Staatsschutzes.