Info aus der Dülmener Zeitung von Louis Rauert / Foto: Georg Winkler

Hunderte Gläubige begingen das zehnjährige Jubiläum der Seligsprechung in Heilig Kreuz

Dülmen. 
Am 3. Oktober 2004 sprach der damals todkranke Papst Johannes Paul II die Dülmener Ordensschwester und Mystikerin Anna Katharina Emmerick in Rom selig. „Ein überwältigendes Ereignis für alle, die an jenem Tag mit uns in Rom waren“, erinnert sich Weihbischof Dieter Geerlings während des Jubiläumsgottesdienstes in Dülmen. Enorme Leistungen hat die im Jahre 1824 verstorbene Frau zu Lebzeiten vollbracht. Geerlings hält die Seligsprechung daher für überaus angemessen: „Sie war ein Leben lang mittellos und konnte trotzdem immer schenken.“ Vor allem ihre Standfestigkeit habe die Emmerick ausgezeichnet.

Prall gefüllt mit Besuchern aus der gesamten Umgebung ist die Heilig Kreuz-Kirche am Freitag. Gekommen sind auch viele Anhänger der Coesfelder Kirchengemeinde Anna Katharina, die mit dem Fahrrad über den 17 Kilometer langen, nach der berühmten Nonne benannten Pilgerweg angereist sind.

Über den Köpfen schwebt ein riesiges, buntes Splitterkreuz, das von einem Emmerick-Gemälde an der gegenüberliegenden Seite beobachtet wird. „Damit verleihen wir unserer Verbindung zu ihr Ausdruck“, erklärt Heilig Kreuz-Pastor Peter Nienhaus.

Besonders freue sich der Pfarrer über einen Brief der Nonne an Schriftsteller Clemens Brentano, der pünktlich zum Jubiläum wieder aufgetaucht ist. „Im tiefsten Bayern haben wir den gefunden, schon bald wird er in unserer Kirche zu bestaunen sein.“

Für die eindrucksvolle, musikalische Untermalung der Messe sorge ein 100-köpfiger Chor, bestehend aus Coesfeldern und Dülmenern, dessen geballte Stimmkraft schon bei den Feierlichkeiten vor zehn Jahren begeistert hatte. „Da möchte man ja gleich einsteigen“, beschreibt Geerlings den melodischen Kirchengesang.

Mit dem Ende des Gottesdienstes ist das Jubiläumsfest aber noch längst nicht vorbei. Bei „römischem Wetter“, wie Nienhaus betont, werden Grillwürstchen und Getränke an die Pilger aus Coesfeld und Umgebung verteilt. Und die Emmerick-Gedenkstätte steht den ganzen Tag für Besucher offen, die sich über die einzigartige Geschichte der seligen Ordensfrau informieren und zahlreiche, antike Schriftstücke bewundern wollen.

Eine Geste der romantischen Art: Singend und ausgestattet mit jeweils einem Teelicht, begibt sich die noch immer große Gruppe am Abend um die Kirche herum in Richtung Emmerick-Grab im Innern des Gotteshauses. „Mit der Lichterprozession wollen wir den Tag abrunden“, sagt Nienhaus. Abgestellt werden die Kerzen rund um den Grabstein, um im sanft beleuchteten Raum ein gemeinsames Gebet für die tapfere Nonne zu sprechen.

Anna Katharina Emmerick hatte kein Geld und Zeitzeugen zufolge auch keine blendende Intelligenz. „Lange Zeit sehr krank, war sie trotzdem allzeit bereit, das Leid zu tragen, das nicht abtragbar ist“, brachte Geerlings zum Ausdruck. „Ich wünsche mir sehr, dass sie eines Tages in Rom auch noch heilig gesprochen wird.“

{multithumb}