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Geheimrezept für die Fugen

Info vom 2. August aus der Dülmener Zeitung von Kerstin Kerstan

Der Turm von der denkmalgeschützten St.-Jakobus-Kirche wird für rund 255.000 Euro saniert
Dülmen.
Die Fugenanalyse läuft gerade. Im Labor wird genau untersucht, was die Handwerker in den 1870er-Jahren beim Bau des Turmes von St. Jakobus beimischten. Die Ergebnisse kennt Harald Seel noch nicht. Was er aber schon jetzt weiß: Rund 140 Jahre später wird eine andere Mixtur zum Einsatz kommen. Denn einen Fehler seiner Vorgänger will der Bauleiter auf keinen Fall wiederholen: Die alten Fugen bestanden fast nur aus hartem Zement, waren undurchlässig und ließen dem Turmgemäuer keine Chance, zu trocknen. Das rächt sich jetzt.
Seel steht in rund 30 Meter Höhe auf dem Gerüst, das seit rund vier Wochen den Turm der denkmalgeschützten St.-Jakobus-Kirche rundum verkleidet. Mindestens genauso lange, vermutlich eher sechs Wochen, wird es noch stehen bleiben. Denn solange werden, je nach Witterung, die umfangreichen Sanierungsarbeiten an der Karthäuser Kirche noch dauern, berichtet der Bauleiter.
Hintergrund der Arbeiten: Der Klinkerstein wirke mittlerweile wie ein Schwamm, sauge Feuchtigkeit auf, erklärt Markus Bagert vom Kirchenvorstand. Die Zementfugen verhinderten, dass das Gebäude anschließend trocken konnte. Deswegen werde der neuen Fugenmixtur jetzt mehr Kalk beigemischt, berichtet Seel. Der sorge für höhere Durchlässigkeit.
Der Austausch der Fugen ist jedoch nicht die einzige Arbeit am Kirchturm. In Höhe der abgedeckten Fenster zeigt der Bauleiter auf gelbe Markierungen. Die Farbe bedeutet: Dieser Stein wird ausgetauscht. „Wir werden noch einmal rund um den Turm alle Steine überprüfen“, berichtet Seel. Er rechnet mit 1500 bis 1800 Steinen, die ersetzt werden müssen. Wobei ein Alternativ-Klinker nicht einfach zu finden war. In Zusammenarbeit mit Denkmalbehörde, Kirchenvorstand und Generalvikariat wurde ein neuer Stein gesucht. Die Wahl fiel auf zwei Klinkerarten mit unterschiedlichen Farbschattierungen. Durch eine Mischung der beiden soll der Kirchenturm seine Optik behalten.
Ersetzt werden übrigens nicht nur marode Steine, sondern auch sämtliche Klinker, die bei einer früheren Renovierung verbaut wurden. Denn dabei seien keine Vollsteine verwendet worden, begründet Seel. Der Klinker sei nicht dafür gedacht, das Gewicht des schweren Kirchturmes zu halten. Seit Freitag ist zudem ein Steinmetz auf der Baustelle tätig. Er wird die Sandsteinarbeiten am Turm sanieren, gegebenenfalls einige Stellen ausbessern.
Dann geht es weiter am Gerüst in die Höhe. Das Dach kommt in Sicht. Wobei das momentan komplett abgedeckt ist. Eine wasserdichte und atmungsaktive Folie haben die Handwerker überall angebracht. Darauf werde nun walisischer Schiefer verlegt, erläutert Harald Seel. „Der kommt den alten Platten im Aussehen sehr nahe“, betont der Bauleiter. Der ursprüngliche Schiefer sei „einfach auf“ gewesen.
Die Kosten für die Turmsanierung belaufen sich auf rund 255.000 Euro, erläutert Günther Fehmer, Leiter der Zentralrendantur. Zumindest hätte eine Voruntersuchung diese Summe ergeben, während der Arbeiten könne es noch zu Änderungen kommen. „Den Löwenanteil übernimmt das Bistum Münster“, berichtet Fehmer, nämlich rund 240.000 Euro. 12.000 Euro müssen aus Gemeindemitteln beigesteuert werden, 3000 Euro durch Spenden und Kollekten zusammenkommen. Für das kommende Jahr, so Fehmer, sei dann die Sanierung des Langschiffes vorgesehen. Auch die abrutschende Sakristei müsse gestützt werden, ergänzt Markus Bagert.
Doch erst einmal ist der Turm an der Reihe. In der kommenden Woche rechnet Harald Seel mit dem Ergebnis der Fugenanalyse. Apropos Fugen: Auch die an den Sandsteinarbeiten werden erneuert. „Die Rezeptur dafür kennt aber nur der Steinmetz“, verrät Seel mit einem Schmunzeln.